Maria Sebregondi – Idee gleich Story


Gute Ideen zu entdecken bedarf einer Offenheit. Für Altes wie für Neues. Maria Sebregondi hatte diese Offenheit als sie ein Buch las. Und Sie schuf ein Produkt, das heute Millionen wert ist. Oder besser gesagt: Sie erfand ein altes Produkt wieder neu.

Eine Initialzündung

In seinem 1987 erschienen Buch „Traumpfade“ (The Songlines) beschreibt der Reiseschriftsteller Bruce Chatwin, dass er in Paris ein kleines, schwarzes Notizbuch zu kaufen pflegte. Mit einem elastischen Band wurde die Blätter zusammengehalten. Exrem praktisch und unverwüstbar. Er nennt es in seinem Buch „Carnet moleskine“ (Carnet = franz. für Notizbuch).

Als er dieses Notizbuch eines Tages wieder kaufen will, erfährt er von der Verkäuferin, dass es nicht mehr hergestellt wird. Verzweifelt versucht er vor seiner Abreise auf eine neue Reise nach Australien noch Restbestände aufzukaufen. Aber er bekommt nicht genug zusammen.

Einen Klassiker identifizieren

Maria Sebregondi erkannte in dieser Passage das Notizbuch wieder, das viele Schriftsteller und Künstler für ihre Notizen benutzt hatten. Von Hemingway bis van Gogh.

Informationen anders als andere bewerten

Viele andere vor ihr hatten in Museen diese kleinen Notizbücher gesehen. Viele Tausende Leser haben die Passagen im Buch von Bruce Chatwin gelesen. Die meisten hatten keine Phantasie für das Potential dieser Information. Niemanden war aufgefallen, dass dieses Buch NICHT mehr produziert wurde. Oder wenn, dann wurde dem keine Beachtung beigemessen. Maria Sebregondi hatte diese Antenne und sah die Geschichte hinter dieser „Etwas Gutes ist verschwunden“-Information. Später fand sie heraus, dass die Geschichte von Chatwin im Detail fiktiv war. Die Kernaussage aber stimmte. Das kleine schwarze Notizbuch wurde nicht mehr hergestellt. Und damit kommen wir zum Punkt:

Etwas was untergegangen ist, kann auch wieder auferstehen.

Idee gleich Story – wie man eine alte Geschichte recycelt

Maria Sebregondi sah die Geschichte hinter der Information und weckte sie in einem neuen Produkt wieder zum Leben. Dies ist eine Technik, die wir bei Smart Business Concepts ebenfalls bevorzugen: Eine Idee sollte eine Story haben.

Einen Klassiker identifizieren

Maria Sebregondi hatte Literatur und Philosophie studiert, lebte in Neapel, lehrte an Universitäten kreatives Schreiben und andere Kreativtechniken und war als Freischaffende auch als Creativ Consultant tätig. Und wie es der Zufall wollte, war sie mit den Inhabern des kleinen Mailänder Verlages Modo & Modo befreundet.

Maria Sebregondi gab den Firmeninhabern den Grundimpuls, das Moleskine Notizbuch wieder aufzulegen und wurde später, nach dem legendären Erfolg des neuen alten Notizbuches und dem Verkauf der rasch wachsenden Firma an Investoren 2006 sogar Brand Equity Director von Moleskine. Interessant an der ganzen Geschichte: der Hinweis von Chatwin auf das „Carnet moleskine“ scheint dichterische Freiheit gewesen zu sein. Ein historischer Hersteller mit diesem Namen ließ sich nicht finden. Was tat Modo & Modo? Aufgeben? Mitnichten. 1997 trugen sie für sich die Marke „Moleskine“ ein und ließen damit eine Marke wiederauferstehen, die es nie gegeben hatte. Sie hatten quasi aus dem Strandgut eines Romans Realität werden lassen.

Wie ging Maria Sebregondi vor?

Bevor das Moleskine Notizbuch 1997 auf den Markt kam, ging Maria Sebregondi die folgenden Schritte:

• Sie hatte die Sensitivität eine Information zu verwerten, die andere auch hatten
• Sie sah sich ein historisches Objekt mit neuen Augen an
• Sie hatte das definitive Ziel, ein „Storytelling-Object“ zu schaffen
• Also nicht nur ein Notizbuch, sondern eine kulturelle Ikone
• Sie sah das Buch als Symbol der modernen Nomaden
• Dazu recherchierte sie, wie das ursprüngliche Buch aussah (das nicht Moleskine hieß)
• Sie erstand ein historisches Exemplar
• Ihre Vision: Das Moleskine Notizbuch als Sammelzentrum von kreativen Ideen
• Dazu kam der unbedingte Wille, etwas zeitlos Schönes zu schaffen
• Sie reduzierte, wo möglich und investierte in Materialien und Nutzen
• So schuf sie ein „analoges“ Gegengewicht zu den digitalen Notebooks, ein haptisches Erlebnis
• Sie betonte den Wert des Schreibens neu (kreative Notizen)

Was kann man noch von Maria Sebregondi lernen?

Sie setzte bei der Wiedergeburt des Klassikers auch im Marketing auf Storytelling. Moleskine verzichtete von Anfang an auf klassische Werbung (!), aber investierten darin, dass Opinion-Leaders wie Künstler, Architekten, Musiker Moleskine Notizbücher nutzten und Inspirationen aus den Büchern in die Öffentlichkeit gelangten.

Ein Vorgehen, das günstiger und effektiver war als klassisches Marketing hätte sein können. Maria Sebregondi arbeitete also daran, dass ihr Produkt ein Teil der Leidenschaft vieler Menschen wurde. Das Buch sollte ein Teil der eigenen Persönlichkeit werden, so wie dies früher bei den historischen Künstlern bereits einmal der Fall war. Dies gelang.

Mit diesem Konzept adressierte sie die professionell Kreativen und das Moleskine Notizbuch setzte zu seinem neuen zweiten Siegeszug an. Insgesamt ein extrem smartes Vorgehen.

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