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Learnings aus 14 Tage Krise

Corona wirft unsere Gesellschaft durcheinander. Das Wort „Lockdown“ wird historisch im Gedächnis bleiben. Dieser Artikel beschreibt kurz, wie wir die ersten 14 Tage der Krise erlebt haben. Dabei nehmen wir vor allem den Blickwinkel der (smarten) Solo-Selbstständigen ein.

Inhalt des Artikels

  • Wen die Krise besonders trifft
  • Wie wir auf die Schließung des Solopreneur Days reagiert haben
  • Welche Erfahrungen wir danach machten
  • Unsere Learnings aus einem 8-Tage-Krisen-Sprint

P.S.: Wir haben speziell für die kommenden Wochen ein Krisen-Board eingerichtet

 

Die Krise schlägt sehr unterschiedlich durch

Aus unserem Netzwerk melden sich viele Selbstständige, Solopreneure aller Art, smarte Experten. Diese erleben die Krise sehr verschieden:

  • alle Solos haben in der Krise mehr zu bewältigen als vorher
  • wir kennen keinen, der rumsitzt und sich langweilt
  • aber der Grund für die Mehrarbeit ist sehr verschieden
  • die einen kämpfen darum, verlorenes Land wiederzugewinnen
  • die anderen haben auf einmal mehr Aufträge

Unter dem Strich fahren diejenigen, die bereits in einer smarten Aufstellung waren, besser und die, die mit mehr klassischen Aufträgen, schlechter. Die smarten Konzepte haben in der Zeit dieser Krise eindeutig die Nase vorn. Insgesamt haben alle Techniken des Smart Working Hochkonjunktur. Von Videokonferenz über Home-Office bis hin zu smarten Produkten, all das ist kein Nischenthema mehr. Smart ist nicht mehr ein Modewort, sondern eine notwendige Haltung, um weiterarbeiten zu können.

Trotzdem hat jeder die Tage direkt vor und nach dem Shut Down anders erlebt. Ein wichtiger Faktor sind zum Beispiel die Kinder. Wir als kinderfreies Ehepaar hatten kaum Umstellungen im Home-Office, andere (auch routinierte Solopreneure) waren einige Tage wegen „Home-Schooling“ komplett aus dem Rhythmus. Wir erzählen hier kurz unsere Geschichte und picken die Elemente heraus, die auch für andere interessant sein könnten, ohne Anspruch, dass unsere Learnings für alle gelten.

14 Tage und was wir daraus gelernt haben

Ein zentraler Punkt einer Krise ist, dass wir nicht weitermachen können wie bisher. Wir müssen reagieren. Die Kontaktsperre wurde zum Beispiel von außen gesetzt. Oft ist es gut, notwendige Entscheidungen zu fällen, BEVOR man dazu gezwungen wird. Das ist uns mit dem Solopreneur Day gelungen, aber es war keine einfache Entscheidung und es war ein knappes Rennen.

Von einem Tag, der nicht stattfand

Wir waren schon lange vor der Krise im Home-Office und haben ein smartes Experten-Konzept (also wenig fremdgesteuerte Bereiche). Nur der Solopreneur Day ist mit Anmietung einer Location etc. ein eher klassisches Event (aber in Eigenregie). Genau an dieser klassischen Flanke traf auch uns die Krise. Wir hatten gehofft, Ende März noch in einem ruhigen Fenster zu sein. Anfang März sah es noch so aus, als wenn wir mit unserem Termin knapp durchkommen. Aber die Krise warf ihre Schatten schon voraus.

Unsere erste Entscheidung – weitermachen, aber Plan B vorbereiten

Die Corona Krise kam langsam heran und nahm dann eine immer höhere Geschwindigkeit auf. Unser Problem: Im Februar war noch nicht einschätzbar, wie schnell diese Geschwindigkeit wird. Daher begannen wir ab Ende Februar auf Sicht zu fahren, beschlossen aber zunächst alles weiter vorzubereiten, damit wir durchführen können, wenn es irgend geht.

Die bereits fertigen Namenschilder zeigen, wie weit wir in der Vorbereitung kamen. Wir waren quasi mit allem fertig. Eine erste Unternehmer-Regel lautet: „Solange nichts entschieden ist, wird nichts kommunziert.“ Wir ließen daher die Kommunikation „Solopreneur Day findet statt“ weiterlaufen, setzten uns aber Kriterien, ab wann wir anders entscheiden müssen. Und ab jetzt gab es Plan B. Erster Schritt: Befragung der Teilnehmenden.



Der Moment der zweiten Entscheidung – Plan B aktivieren

Mit jedem Tag näher zum Solopreneur Day wurde die Lage im Norden enger. Noch waren alle Veranstaltungen erlaubt, der Nah- und Fernverkehr fuhr ohne Einschränkungen, alle Geschäfte und Restaurants waren offen. Aber die Anzeichen, dass Corona Geschwindigkeit aufnahm, wurden mehr.

Acht Tage vor dem Event fragten wir dann alle Teilnehmenden, wie wir mit der Situation umgehen. 70 % wollten dort schon nicht mehr anfahren (es war noch vor dem Shut Down) und wünschten sich die Wandlung in Videos. Das war ein klares Votum.

Die Entscheidung, Plan B zu aktivieren, fiel noch am gleichen Tag. De facto warfen wir damit die Arbeit von mehreren Wochen weg. Den Solopreneur Day von einem Tag auf den anderen zu wandeln, war damit keine neutrale Entscheidung. Jeder hat Gefühle. Auch wir haben uns geärgert, dass der Virus genau in der Zeit „scharf wurde“, in der unser zentrales Jahres-Event stattfindet. Andere kamen eine Woche vorher noch gut durch. Natürlich ärgert man sich darüber. Aber das „was-wäre-wenn-Spiel“ ist unsinnig. Man steigt möglichst sofort aus diesem aus.

  • Wir fällten die Entscheidung unmittelbar und informierten alle Betroffenen sofort
  • 4 Tage organisierten wir alles um
  • Dann gingen wir 8 Tage komplett in einen Krisen-Sprint

Das eigene Thema komplett auf dem Tisch

Das Votum der Teilnehmer fiel auf „Wandel in ein Video-Paket“. Das Thema des Solopreneur Days war „soloproduktiv – was Du brauchst, um solo so richtig gut drauf zu sein“. Dieses Thema stand schon Monate vor der Krise fest. Home-Office war noch kein Megatrend, beim Wort Remote-Arbeit wurde man verständnislos angesehen. Und plötzlich hatten wir das Thema des Days mit aller Wucht auf dem Tisch liegen.

Und das gleich auf zwei Ebenen:

• Generell:
Wie sind wir im Home-Office in dieser Krise produktiv und gut drauf?

• Speziell:
Wie werde ich mit Hilfe eines Solosprints doppelt so produktiv, als wenn ich normal weitermache?

Der Solosprint im Home-Office war ein wichtiges Thema des Solopreneur Days. Wir haben diese Methode entwickelt und in den letzten Jahren bei uns schon selbst angewendet. Aber noch nie in einer Krise. Nun zogen wir uns 8 Tage von (fast) allen anderen Dingen zurück und arbeiteten direkt im Home-Office 8 Tage NUR AN EINEM THEMA. Wir taten das, was wir sonst on Stage vorgestellt hätten.

Agiler Home-Office Sprint

  • Umbau aller Inhalte des Solopreneur Days in ein Video-Paket
  • Und das in einer begrenzten Zeit, damit fast sofort geliefert wird
  • Neues Konzept, das alte nicht weiterdenken
  • Cokreativ und agil handeln, alle Referent_innen einbeziehen
  • Der Kernsprint war 8 Tage:
  • 4 Tage mit 4 Personen im Dreh (plus Online-Interviews etc)
  • 4 Tage Schnitt und Nacharbeit

Unsere Learnings aus diesem Krisen-Sprint

Viele gute Erfahrungen mit anderen

An dieser Stelle möchten wir allen danken, die flexibel und verständnisvoll waren. Wir hatten in diesen Tagen NICHT EINE blöde Begegnung mit anderen Selbstständigen / Firmen, die am Solopreneur Day beteiligt waren. Und es gab mehr als einen Punkt, an dem man sich juristisch und emotional hätte verwickeln können. Alle Kooperationspartner, Referenten, Zulieferer und auch die Teilnehmenden haben sich in einer Weise kooperativ und flexibel verhalten, dass wir nur sagen können: Noch hat Deutschland viel Potential. Behalte das bitte auch bei den vielen Negativ-Meldungen vor Augen: Wir bestimmen, wie wir miteinander umgehen. Wir haben unmittelbar erlebt, dass viele die Situation großartig meistern und sich gegenseitig unterstützen.

Daneben gibt es eine Reihe von alten Regeln, die wir bestätigt sehen:

Sich der Realtiät stellen und konsequent entscheiden

  • rechtzeitig innehalten und Entscheidungen zügig und konsequent treffen
  • schwere Entscheidungen vorbereiten (Plan B in der Hinterhand haben)
  • möglichst viele in den Entscheidungsweg einbinden
  • klare Kommunikation vor und nach der Entscheidung
  • die zentrale Entscheidung in einer ruhigen Stunde fällen (nicht aus Emotion)

Unnötiges fallen lassen

  • keiner wartet auf die Krise
  • sie ist immer eine zusätzliche Belastung
  • daher müssen andere Dinge weichen
  • das nicht Dringende muss warten
  • man hilft sich selbst, Dinge schnell fallen zu lassen

Liquidität

  • in der Krise ist es zu spät, um über Liquidität nachzudenken
  • eine Krise zeigt, wie das eigene System gebaut ist
  • ist es nicht smart, kommt ein (klassisches) System schnell an Grenzen
  • ein flexibles, smartes System kann besser durchfedern

Wir konnten aus unserer hohen Liquidität (eine Empfehlung von uns für ein smartes Konzept) antizyklisch investieren. Als andere den Shut Down mitgehen mussten, saß Brigitte bei uns am Rechner und hat in wenigen Stunden die gesamte Technik für ein Home-Studio eingekauft. Plus der Buchung für externe Hilfe. Wir hatten zwar schon Video-Technik, konnten dadurch aber sofort nahtlos aufstocken.

 

Situationsbedingte Entscheidungen

Wir sind dem Votum der Solopreneur Day Teilnehmer gefolgt und haben ein Video-Paket produziert. Kreativität hat zwei Wurzeln: Sie kommt aus der Ruhe (das bevorzugen wir eigentlich) oder sie kommt aus einer Not. Wir können an dieser Stelle bestätigen, dass eine Krise kreativ macht. Alle Beteiligten hielten sich nicht mit Details auf. Jeder kam sofort auf den Punkt und wir konnten Entscheidungen fast wie mit einer Checkliste durchgehen.

Hier kurz unsere „Wie mache ich aus einem Live Event etwas Neues“ Learnings. Diese Entscheidungen sind natürlich nur für unsere Situation richtig, sollen aber zeigen, wie man in einer Krise zentrale Weichen nehmen kann.

Wir haben nicht auf Online-Konferenz umgeschaltet

  • das war die erste Empfehlung von vielen
  • Grund: in der Krise möchte keiner einen ganzen Tag feste Termine
  • also stattdessen ein Video-Paket, bei dem jeder entscheiden kann, was er wann ansieht

Wir haben nicht einfach die Keynotes gefilmt

  • Keynotes wirken anders als ein Video
  • wir haben das Material komplett neu geordnet / aufbereitet
  • alle Referenten waren bereit, ihre Keynotes in andere Formate zu wandeln
  • wir haben gewechselt zwischen Interviews, Slides, seminar-artigen Talks
  • als Schwenk von einer Stage-Logik mehr in Richtung einer Talk-Kurs-Logik

Wir haben einige Tage nicht kommuniziert

Die ersten Tage des Shut Downs löste generell eine Flut von E-Mails und Social Media Posts aus. Darunter wertvolle Hilfestellungen und etliches, was man nicht braucht. Wir mussten uns entscheiden: Kommunizieren wir die ganze Zeit oder ziehen wir uns zur Produktion zurück? Wir entschlossen uns: Nach der Erstinformation (der Solopreneur Day wird in ein Video-Paket gewandelt) erst wieder zu posten, wenn wir ein neues, gutes Ergebnis haben.

Noch ein Learning

Baue Dein Home-Offices möglichst groß und halte es flexibel! Wie groß, ist natürlich eine Frage der eigenen Finanzen, aber wir hatten genug Platz für eine Filmproduktion mit mehreren Räumen. Und wir hatten letztes Jahr unsere Möbel wie in einem guten Coworking Space auf Rollen gesetzt. Das hat sich als goldrichtig erwiesen. Jeden Tag konnten wir eine andere Fläche bespielen. Die Umrüstzeiten waren minimal. Das ist sehr hilfreich.

Fazit nach 14 Tagen Krise

Wir konnten exakt eine Woche nach dem eigentlichen Event-Termin das Video-Paket ausliefern. Wir hosten es wie einen Video-Kurs und können dadurch aktualisieren und einige Vertiefungen nachreichen, die wir nicht sofort geschafft hatten. Ein guter Neben-Effekt: Wer sich kein Ticket für den Solorpeneur Day mehr kaufte, weil er wegen der heraufziehenden Krise bereits vorsichtiger geworden war, kann jetzt noch nachbuchen. Unter dem Strich wurden wir getroffen, aber bei weitem nicht so hart wie andere.

In einem Podcast wurden wir gefragt, wie wir mit der Krise umgegangen sind. Wir haben geantwortet: Man kann immer zwei Seiten sehen, die Zitrone oder die Zitronen-Limonade. Für uns waren die ersten 14 Tage der Krise eine Zitrone-Presse: uns war klar, dass das Umschalten nicht nur Spaß machen wird, aber wir konnten auch die Dinge sehen, die wir neu lernen werden. Wir haben einges verloren, aber mehr Neues gewonnen. Ab wann das wie Limonade schmeckt, können wir noch nicht sagen (vermutlich wenn wir in drei Jahren davon erzählen werden). Die nächsten Monate werden weitere Herausforderungen bringen. An dieser Stelle machen wir Dir Mut, konsequent zu sein. Es geht nicht alles auf einmal, aber es geht mehr, als wir im ersten Augenblick oft denken.

 


Hier ist der Link zum Video-Paket (doppelt so produktiv im Home-Office)

Hier geht es zu unserem Krisen Board mit Tipps und Webinar-Terminen



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Antje Schwan

Hallo Brigitte, hallo Ehrenfried,
erst jetzt komme ich dazu, eure Emails nach und nach „abzuarbeiten“. Das Videopaket steht heute Nachmittag auf dem Programm.
Toll, dass ihr den Switch geschafft habt. Ich merke, dass es sehr schwer ist, noch mit minimaler smarter aufstellung einzusteigen. mein erstes Online-Gruppen-Supervisonsgespräch über Zoom sah so aus, dass die Teilnehmer mit Maske (!) 1,5m auseinandersaßen und ich nicht einmal alle sehen konnte. 6 Personen, nur ein Bildschirm und 1 Mikrophon. Das ist die smarte Realität. Ein anderes Format haben meine Lehrgangsteilnehmer. Die sind technisch so schlecht aufgestellt, dass ich teilweise abfotografierte Zettel über WhatsApp bekomme. An interaktiven Unterricht ist dort auch nicht zu denken. Aber ich bleibe dran, lerne täglich und hätte mein Webmaster nicht einen halben Herzinfarkt bekommen, wäre meine interaktive Webseite letzte Woche an den Start gegangen. Krisen in der Krise. Dennoch: heiter weiter! Ich grüße euch von Herzen Antje Schwan aus Berlin

Smart Business Concepts

Hallo Antje, erst einmal freuen wir uns sehr, dass Du bei der Smart Business Community dabei bist. Was Du beschreibst, dem kann ich nur zustimmen. Die Krise brachte sehr krass zum Vorschein, wie gut man auf eine smarte Kommunikation und smarte Produkte vorbereitet war. Du bist im Vergleich zu anderen Heilpraktikern digital gold. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass Deine Kunden kaum bis gar nicht vorbereitet waren. Und 1 Mikrophon für 6 Personen, die im Raum Abstand halten sollen, zeigt schon, dass man die Situation „wir lassen uns per Zoom supervidieren“ vorher nicht ganz durchgedacht hat. Dir auch weiter heiter und wir bleiben in der Community dichter im Kontakt als je zuvor. Wir freuen uns.

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