Multitasking – zwei Mythen
Wie Du Dich für oder gegen Multitasking entscheidest
Du sitzt an Deinem Schreibtisch. Drei Browser-Tabs sind offen. Eine E-Mail wartet auf Antwort. Nebenbei läuft ein Podcast. Eigentlich wolltest Du gerade an Deinem neuen Beratungsprodukt weiterarbeiten. Und irgendwie kommst Du nicht wirklich voran.
Wenn Dir das passiert, bist Du einem Mythos aufgesessen: Du würdest produktiver werden, wenn Du viel parallel machst. Diverse Blogartikel zur Produktivität stellen daher die Frage: Ist Multitasking produktiver – oder schadet es Deiner Arbeit?
Aber diese Frage suggeriert, dass es nur zwei Möglichkeiten gibt: Entweder alles gleichzeitig oder gar nichts parallel. Die bessere Frage – die Frage mit einem soloagil®-Mindset – lautet dagegen:
- Gibt es Formen mehrere Aufgaben zu lösen, die produktiv sind?
- Wann ist Mono-Tasking der optimale Work-Modus für Dich?
Um diese Frage zu beantworten, schauen wir uns zwei große Multitasking-Mythen an. Dann zeigen wir, wie Du die vier soloagil®-Work-Modi unterscheidest. Damit kannst Du Deine Arbeit smarter strukturieren.
In diesem Artikel geht es um:
- Wann Multitasking Produktivität nicht steigert
- Warum Multitasking ganz abschalten auch nicht weiterhilft
- soloagil®-Methode: Unterscheide vier grundlegende Work-Modi
- Bestimme professionell, wie viel Multitasking Du zulässt
Die Inhalte im Detail
Die zwei Multitasking-Mythen
Mythos 1:
Mehrere Dinge gleichzeitig erledigen macht Dich produktiver
Dieser Mythos ist hartnäckig. Er klingt logisch: Wenn Du mehrere Dinge gleichzeitig tust, sparst Du Zeit. Der Mythos besagt: Das wäre eine nützliche Fähigkeit. Wer viel gleichzeitig jonglieren kann, gilt als stressresilient, Frauen könnten Multitasking besser etc.
Alles davon ist aus neurowissenschaftlicher Sicht falsch.
Die strenge Definition von Multitasking für Experten, Berater, Selbstständige lautet: Multitasking ist der Versuch, mehrere kognitive Aufgaben gleichzeitig oder in sehr schnellem Wechsel zu erledigen. Wir meinen also vor allem kognitive Aufgaben – also Aufgaben, die Denken, Entscheiden, Lesen, Schreiben oder Kommunizieren erfordern. Das sind oft komplexe Aufgaben. Und es geht um den schnellen Wechsel, das Umschalten zwischen diesen Aufgaben.
Dies ist für das, was wir sagen, wichtig, da unser Gehirn schon in der Lage ist sensorische, motorische und kognitive Vorgänge parallel auszuführen. Problematisch wird es, wenn die Tätigkeiten gleiche Ressourcen im Gehirn beanspruchen (wie im Beispiel zu Beginn des Artikels genannt). Dann beinträchtigen Deine häufigen Wechsel Deine Fehleranfälligkeit und vieles mehr.
Im kognitiven Fall ist es also eindeutig:
Wenn Du versuchst, mehrere kognitive Aufgaben gleichzeitig zu bearbeiten, arbeitet Dein Gehirn nicht parallel. Dein Gehirn springt zwischen den Aufgaben hin und her – und zahlt dabei jedes Mal einen kognitiven Preis. Der Fachbegriff dafür ist Task Switching (Umschalten).
Was das bedeutet:
- mehrere Aufgaben sind im Gehirn „offen”
- das Gehirn schaltet ständig zwischen den Vorgängen um
- Die beiden Aufgaben werden nicht gleichzeitig ausgeführt
- jeder Wechsel kostet neuronal Energie und Zeit
Dieser Zusammenhang ist wissenschaftlich gut belegt:
Wenn Du Multitasking mit dem Ziel einsetzt, schneller viel wegzuschaffen, erreichst Du das Gegenteil: Die Fehlerquote steigt, die Qualität sinkt, Fokussieren ist nur begrenzt möglich. Kognitive Aufgaben gleichzeitig erledigen: Das schaffst Du nur, wenn Du mehrere Köpfe gleichzeitig hättest.
Die grundlegende Studie von Rubinstein, Meyer und Evans (2001) zeigte, dass Task Switching erhebliche Zeit und Produktivität kostet. Ein Abschnitt dieser Studie trägt die Überschrift: Decreased Productivity. Mehr muss man dazu eigentlich nicht sagen. David Meyer fasste es später so zusammen: „Selbst kurze mentale Blockaden, die durch den Wechsel zwischen Aufgaben entstehen, können bis zu 40 Prozent der produktiven Zeit einer Person kosten.“ Oder anders ausgesagt: Unterbrichst Du, bricht die Aufmerksamkeit zusammen. Das menschliche Gehirn ist für fließenden Wechsel nicht gebaut.
Aber wir alle sind anfällig dafür. Microsoft hat in einer internen eigenen Studie 2021 belegt, dass 30% der Mitarbeitenden, je länger eine Remote-Konferenz dauert, diese nutzen, um nebenbei Mails oder anderes zu bearbeiten. Die Studie äußert die starke Vermutung, dass dies für die Ergebnisse der Konferenz wie der Arbeit nicht zuträglich ist.
Und noch eine Zahl, die nachdenklich macht: Laut einer Studie der University of Utah können nur etwa 2,5 Prozent der Bevölkerung tatsächlich ohne Leistungseinbußen zwischen Aufgaben wechseln. Diese sogenannten „Super Tasker” sind eine absolute Ausnahme.
Frage Dich:
Gehörst Du zu diesen 2,5 Prozent? Wir nicht.
Unser Rat
Wenn Du merkst, dass Du gleichzeitig schreibst, hörst, entscheidest und kommunizierst – stoppe sofort. Du versenkst gerade die Leistungsfähigkeit Deines Gehirns.
Mythos 2:
Multitasking ist immer schlecht – vermeide es um jeden Preis
Dieser Mythos ist die Gegenbewegung zu Mythos 1.
Wer Mythos 1 versteht, neigt manchmal dazu, ins andere Extrem zu fallen:
- Multitasking ist grundsätzlich böse. Immer und überall.
- Konsequentes Monotasking gilt hier als einzige Wahrheit.
- Das hilft Dir im normalen Alltag nur nicht immer weiter.
Denn erstens: Dein Gehirn braucht nach jeder Deep-Work-Phase lockere Zeiten, damit es das Erarbeitete verarbeiten kann. Wer ständig auf 100 Prozent Konzentration besteht, erschöpft sich.
Zweitens: Es gibt Aufgaben, die verdienen nicht unserer komplette Aufmerksamkeit. Oder setzt Du Dich neben ein laufendes Backup uns schaust zu, wie der Fortschritts-Balken in 20 Minuten von 0% auf 100% wandert?
Und Drittens: Es gibt Aufgaben, die sich sehr wohl kombinieren lassen – nämlich dann, wenn sie unterschiedliche neuronale Ressourcen beanspruchen und diese nicht miteinander konkurrieren (Du erinnerst Dich an die Unterscheidung, sensorische, motorische oder kognitiv). Du hast also verschiedene Sinne. Viele können z.B. Musik hören und arbeiten. Unsere Erfahrung: Deep Work geht bei uns nicht mit jeder Musik (und am besten ganz ohne Musik). Was multisensorisch bei Dir funktioniert, probiere es am besten aus.
Anders gesagt: Es gibt Situationen, da ist ein gekonntes Multitasking tatsächlich produktiv.
Beispiele, wann leichtes Multitasking oft funktioniert:
- einen Fachpodcast hören, während Du spazieren gehst
- aufräumen, während Du eine schwierige Entscheidung „abhängen lässt”
- einen Film rendern lassen, während Du Standard-Mails beantwortest
- Dinge sortieren, während nebenbei ein lockeres Gespräch läuft
In diesen genannten Fällen konkurrieren die Aufgaben nicht um Deine volle neuronale Aufmerksamkeit. Sie teilen sich Ressourcen, ohne sich gegenseitig zu stören. Und Du kannst ohne zu große Unterbrechungs-Zeitverlust von Aufgabe A zu Aufbageb B wechseln und wieder zurück.
Drei soloagil®-Faustformeln
- Konkurrieren Aufgaben um volle Aufmerksamkeit, gehören sie nicht zusammen.
- Beanspruchen zwei Tasks unterschiedliche Ressourcen und ergänzen sich, können sie parallel laufen.
- Sind wenige Low-Level-Aufmerksamkeits-Tasks in einem Cluster, kann das Zeit sparen.
Ein Fallbeispiel aus der Praxis
Nehmen wir den ersten Fall: Zwei konkurrierende Aufgaben würden jeweils die volle Aufmerksamkeit fordern.
Wenn Du in diesem Fall konzentriert arbeiten willst, dann musst Du dafür die Umgebung schaffen. Das verlangt Organisation, lohnt sich aber.
Nehmen wir einen Deep-Work-Fall: Es gilt eine wichtige strategische Aufgabe zu lösen, die weitreichende Folgen hat.
Eine Unternehmerin und ganz junge Mutter, die wir kennen, hat in diesem Fall zum Beispiel mit ihrem Partner die Absprache, dass er bei ihren Strategie-Arbeits-Sessions mit dem Kind außerhalb der Wohnung unterwegs ist. Nicht weil sie keine gute Mutter ist – sondern weil sie weiß, dass ein schreiendes Kind und Deep Work an der Geschäfts-Strategie schlicht nicht kompatibel sind. Das ist smarte Selbstorganisation. Verlangt in diesem Falle aber eine gute Partnerschaft und ein wenig Planung. Durch diese Lösung kommt sie nicht in die Situation, zwei Tasks gleichzeitig offen zu haben, die ihre ganze Aufmerksamkeit verlangen (schreiendes Kind | anspruchsvolle strategische Entscheidungen). Hier konsequent den Kreativen Raum gut aufzuspannen, ist die halbe Miete für ein gutes Ergebnis.
Die vier soloagil®-Work-Modi
Du kannst also Deinen Kreativen Raum schützen. Wie stark er zu schützen ist, hängt von Deinem Work-Modus ab. Das ist eine der zentralen Aussagen von Smart Business Concepts: Schütze Deinen Kreativen Raum.
Damit Dir das differenziert gelingt, haben wir 2026 den Deep-Work-Ansatz von Cal Newport erweitert. Denn sein Ansatz reichte nicht aus, die Multitasking-Frage (Nein, Ja und wie viel?) differenziert genug zu entscheiden.
So beantwortest Du die Multitasking-Frage richtig
Es geht im Kern um die Frage, wann Du Dich wie tief konzentrierst und wann es nicht nötig ist.
Um für Dich zu entscheiden, wann welcher Work-Modus der beste ist, unterscheiden wir bei soloagil® vier Work-Modi. Wir erweitern dabei das bekannte Deep-Work-Modell von Cal Newport (2016) um eine wichtige Kategorie und benennen eine weitere um.
Newport unterscheidet zwei Zustände: Deep Work und Shallow Work.
Das Problem mit dieser Zweiteilung: Es hilft Dir nicht, die Multitasking-Frage korrekt zu beantworten. Der Begriff Shallow Work suggeriert zudem, dass administrative Arbeit weniger wertvoll ist. Dem widersprechen wir. Eine gut formulierte E-Mail an einen Wunschkunden ist keine minderwertige Arbeit.
Die vier soloagil®-Work-Modi helfen Dir, mit der Multitasking-Problematik besser umzugehen. Die vier Modi korrekt zu unterscheiden ist eine der soloagil®-Methoden, die Deine Produktivität steigert und Stress verringert.
Work-Modus 1 – Deep Work
- verlangt grob 90–100 % Deiner kognitiven Energie
- Stark-Fokus-Arbeit
Du bist in einer Hochphase Deiner Fähigkeit. Deine kognitive Kapazität ist am Limit. Es ist keine Unterbrechung möglich. Das Ergebnis ist schwer replizierbar und hat hohen Wert. Hier gibt es das Phänomen des kreativen Flows.
Typische Tätigkeiten: Kreative Werke, ein Beratungsprodukt entwickeln, einen Fachartikel schreiben, strategische Entscheidungen treffen, eine neue Methode erarbeiten, einen Workshop konzipieren.
Multitasking ist hier absolut nicht am Platz.
Methodik: Abschottung. Keine Unterbrechung. Stark-Fokusarbeit.
In einem Solo-Sprint versuchen wir, mehr als einen Tag im Deep-Work-Modus zu sein. Nach dieser hochkonzentrierten Phase bist Du erschöpft – das ist normal und ein gutes Zeichen.
Work-Modus 2 – Fokusarbeit
- verlangt grob 40–70 % Deiner kognitiven Energie
- Fokus-Arbeit
Diese Kategorie kennt Cal Newport nicht. Viele normale Expertenaufgaben erfordern aber echte Konzentration, sind aber weniger erschöpfend als Deep Work. Recherche, Systempflege, Ausarbeitung von Präsentationen, anspruchsvolle Kommunikation, Vorbereitung von Kundengesprächen.
Diese Arbeit lässt sich nach einer kurzen Ablenkung wieder aufnehmen. Sie ist in der Praxis eine häufige Arbeitsform bei Selbstständigen.
Multitasking ist hier nicht gut.
Aber es kann vorkommen, dass Du Dich unterbrechen lässt. Wichtig ist, bewusst wieder in den Fokus zurückzufinden. Das gelingt mit On-Ramps.
Methodik: Kreativen Raum schützen, aber mit der Bereitschaft, bei wichtigen Dingen zu unterbrechen.
Work-Modus 3 – Operative Arbeit
- Verlangt grob 10–40 % Deiner kognitiven Energie
- Halb-Fokus-Arbeit
Das entspricht Newports Shallow Work – aber wir benennen es anders, weil der Begriff Shallow (flach, oberflächlich) die falsche Konnotation hat. Es geht darum eine Reihe von to-dos zu bearbeiten und dabei möglichst Zeit zu sparen. Diese Tasks sind auch notwendig und auch hier musst Du Dich auf die Aufgabe konzentrieren. Sie schaffen aber keinen eigenständigen Wert. E-Mails beantworten, Rechnungen stellen, Ablage, Termine koordinieren.
Solche administrativen Tasks können schnell den ganzen Tag füllen – mit dem Ergebnis niedriger Produktivität. Bei einem smarten Konzept überlegst Du daher: Bündeln, delegieren oder automatisieren?
Multiple Tasks zu bearbeiten ist hier der Modus, aber in Kette, nicht parallel.
Methodik: Hier arbeitest Du Tasks in Kette als Batch ab. Das ist sinnvoll. Aber vermeide auch hier die Parallel-Bearbeitung. Tue es nacheinander, nicht gleichzeitig.
Work-Modus 4 – Entspannungs-Arbeit und Verarbeitungszeit
- Verlangt 0 bis 10 % Deiner kognitiven Energie
- Leicht-Fokus-Arbeit
Dein Gehirn braucht Zeit, um das Erarbeitete zu verarbeiten und sich Dinge zu merken. Dazu hilft ein Spaziergang, eine Mittagspause, lockeres Gespräch, ein Podcast beim Kochen, Think-Zeit mit Notizbuch. Dies ist keine verschwendete Zeit. Dieses freie Gedanken-Wandern ist ein Teil Deiner Produktivität.
Wenn Du solche Phasen einplanst, kommst Du erholt und mit frischen Ideen in die nächste Deep-Work-Phase. Wenn Du sie weglässt, erschöpfst Du Dich.
Multitasking ist hier in leichter Form sogar produktiv.
Methodik: Hier ist leichtes Multitasking erlaubt und sinnvoll – zum Beispiel der Fachpodcast beim Spaziergang. Achte aber darauf, dass die Aufgaben Low-Level sind. Damit die zwei Aufgaben nicht um Ressourcen konkurrieren und nebenbei leicht mitlaufen. Das Gehirn ist in einem entspannten Modus und kann die Gedanken schweifen lassen.
Unsere Empfehlung: Strukturiere Deine Arbeitstzeit
Die vier soloagil®-Work-Modi helfen Dir, Deine Zeit im Kreativen Raum bewusst zu gestalten.
Gezielt differenziert Arbeiten
Unterscheidest Du deine Work-Modi und planst sie zu verschiedenen Zeiten (machst also nicht immer alles) nennen wir das zyklisches Arbeiten im Kreativen Raum. Es entspricht dem, was Newport unter „rhythmischer Planung” versteht.
Eine hilfreiche Start-Frage
Bevor Du eine Aufgabe beginnst, stelle Dir konsequent eine Frage:
Ist das Deep Work, Fokusarbeit, operative Arbeit – oder Erholungszeit?
Diese Entscheidung dauert zehn Sekunden. Sie wird aber Deine Produktivität stark positiv verändern.
Unterbrechungstoleranz als Indikator
Du kannst die Modi übrigens gut an der Unterbrechungstoleranz unterscheiden: Wie lange dauert es, nach einer Ablenkung wieder in Deinen Arbeitsmodus zurückzufinden? Bei Deep Work sind das oft 20 Minuten oder mehr. Bei operativer Arbeit kaum eine Minute. Anders gesagt: Je schwerer Du wieder in die Arbeit zurückkommst, um so tiefer ist Dein Work-Modus.
Anders gesagt: Je ungestörter Du arbeiten möchtest, um so stärker musst Du Deinen Kreativen Raum schützen.
Unser Tipp
Lege Deep Work in die energiereichsten Stunden – für viele ist das der Vormittag. Oder in gut geplante Solo-Sprints. Plane Fokusarbeit danach. Bündle operative Arbeit in klar begrenzte Zeitfenster. Und plane Erholungsarbeit am Ende mit ein. Nutze Aufräumen und anderes, um Deinem Gehirn etwas Luft zu lassen. Vermeide es, in solchen Regenerations- und Verarbeitungs-Phasen Social Media oder anderen Junk zu konsumieren.
Fazit: Multitasking ist eine Frage des Work-Modus
Multitasking ist ein echtes modernes Problem. Du solltest es ernst nehmen. Aber es hilft, nicht dogmatisch zu sein. Es kommt darauf an, was Du wann in welchem Modus bewegst.
Fazit 1 ist grundlegend
Echtes kognitives Multitasking funktioniert nicht. Dein Gehirn schaltet bei ähnlichen kognitiven Aufgaben nur schnell um – und zahlt dafür einen hohen Preis in Qualität, Zeit und Energie.
Fazit 2 ist pragmatisch
Multitasking um jeden Preis zu vermeiden, ist unrealistisch und unnötig. Es gibt Aufgaben, die sich sinnvoll kombinieren lassen.
Die Antwort liegt in den vier soloagil®-Work-Modi:
- Deep Work
- Fokusarbeit
- Operative Arbeit
- Erholungsarbeit
Wenn Du diese vier Modi kennst und bewusst einsetzt, brauchst Du Dir die Multitasking-Frage nicht mehr zu stellen. Sie hat sich dann bereits beantwortet.
Frage Dich: In welchem Modus arbeitest Du gerade – und ist das der richtige Modus für diese Aufgabe? Wir wünschen Dir klare Fokuszeiten, gute Erholungsphasen und einen Arbeitstag, der sich am Ende wirklich rund anfühlt.
Weiterführende Fragen
Was ist das Gegenteil von Multitasking?
Monotasking oder Singletasking. Verwechsele das aber nicht mit einfachen, schlichten Aufgaben. Häufig sind es komplexe Aufgaben mit vielen Facetten und Informationen. Es geht also mehr um den Fokus auf die Aufgabe. Wie im Artikel beschrieben, hängt es von der Stärke des gewünschten Fokus ab, wie stark Du Störungen in der Arbeit ausschaltest. Aber Du kannst im Deep-Workflow unterschiedliche Formen der Arbeit nacheinander kombinieren.
Wie schaffe ich es, mich als Selbstständiger auf eine Aufgabe zu konzentrieren?
Indem Du streng entscheidest, in welchem Work-Modus Du welche Aufgabe erledigen willst und entsprechend den Kreativen Raum zielgerichtet aufspannst. Ziel ist es, Inseln zu schaffen, in denen Du ungestört strategisch und kreativ arbeiten kannst. Je smarter Dein Konzept ist, um so mehr ungestörte Zeit hast Du. Achte darauf Unterbrecher (E-Mails, Telefon-Anrufe, Gespräche, Meetings) in Arbeitsblöcke zu clustern, so dass die anderen Fokus-Zeiten ungestört bleiben.
Was sind die besten Methoden für Time Blocking?
Wenn Du Dir Arbeitsphasen im Kalender oder in der Jahresplanung für spezielle Arbeiten reservierst, spricht man vom Time Blocking. Das reicht von der Tageseinteilung (Deep Work nach vorne), bis hin zur bewussten Jahresplanung mit Solo-Sprints, wie wir es als soloagil®-Methode empfehlen. Die für uns aber mit Abstand beste Methode, um produktiver zu werden, ist das Festlegen, wann Du was mit welchen der vier oben beschriebenen Work-Modi machen möchtest.
Quellen
Literatur
Cal Newport: Deep Work
Newport, C. (2016). Deep Work. Rules for Focused Success in a Distracted World. Grand Central Publishing, New York. ISBN 978-1-4555-8669-1.
Er verlängerte seinen Ansatz 2024 mit diesem Buch:
Gary Keller & Jay Papasan: The One Thing
Keller, G. & Papasan, J. (2013). The One Thing. The Surprisingly Simple Truth Behind Extraordinary Results. Bard Press, Austin. S. 46.
Sehr bekannt ist der markante Satz aus diesem Buch: „Multitasking is a lie.“
Wissenschaftliche Quellen über die Wirkung von Multitasking
Multitasking ist ein Trendwort und in vielen Blogartikeln werden Studien recht frei und falsch zitiert. Daher haben wir uns die Mühe gemacht, das ein wenig zu sortieren. Dies hier sind solide, geprüfte Quellen.
Control of Cognitive Processes in Task Switching (2001)
Rubinstein, Joshua S., Meyer, David E., Evans, Jeffrey E. (2001): Executive Control of Cognitive Processes in Task Switching. In: Journal of Experimental Psychology: Human Perception and Performance, Vol. 27, No. 4, S. 763–797.
Das genannte Zitat von David Evans steht nicht in der Studie, sondern stammt aus der APA-Pressemitteilung vom August 2001.
Supertaskers (2010)
Watson, Jason M., Strayer, David L. (2010): Supertaskers: Profiles in extraordinary multitasking ability. In: Psychonomic Bulletin & Review, Vol. 17, S. 479–485. University of Utah.
Sind Video-Konferenzen zu lang – Multitasking startet (2021)
Large-Scale Analysis of Multitasking Behavior During Remote Meetings, Unternehmensinterne Microsoft-Studie, Microsoft Research (2021).
Mitarbeiter in Videokonferenzen fallen regelmäßig in den Multitasking-Modus. Basis waren die Aktivitätsdaten von rund 100.000 Mitarbeitenden aus dem Jahre 2020. Diese zeigten, dass während 30 Prozent aller Videokonferenzen parallel E-Mails verschickt wurden, wobei das Multitasking-Verhalten mit zunehmender Meeting-Dauer deutlich anstieg. Die Autoren konnten nicht direkt belegen, dass die Qualität der Arbeit darunter leidet. Aber sie vermuteten es. Originalzitat:
„Our results demonstrate that intrinsic meeting characteristics such as size, length, time, and type, significantly correlate with the extent to which people multitask, and multitasking can lead to both positive and negative outcomes.“
Multitasking löst Stress aus (2023)
Becker, L., Kaltenegger, H. C., Nowak, D. et al. (2023). Biological stress responses to multitasking and work interruptions: A randomized controlled trial. Psychoneuroendocrinology, 156, 106358.
Deutsche Studie (Erlangen, München, Bonn, 186 Probanden): Multitasking aktiviert das sympathische Nervensystem und löst eine körperliche Stressreaktion aus. Der Verdacht erhebt sich, dass Burn Out und Erschöpfung Folgen sein können. Die Studie testete 186 gesunde Personen unter verschiedene Aufgabensituationen: passive Aufgaben wie Videoschauen, aktive Aufgaben wie Problemlösen, digitale und nicht-digitale Varianten, jeweils einzeln oder kombiniert als Multitasking. Also Aufgaben, wie sie auch smarte Experten in etwas lösen müssen.
Gemessen wurden biologische Stressmarker im Speichel und Blut und Immunmarker. Das zentrale Ergebnis: Multitasking aktivierte das sympathische Nervensystem messbar. Die Eigenwahrnehmung der Teilnehmenden deckte sich mit der körperlichen Reaktion, sie empfanden die Situationen als stressig.
Wichtig ist: Die Studie maß ausschließlich Kurzzeiteffekte. Sie lässt also keine Aussage über langfristige Gesundheitsfolgen zu. Aber es ist ein wichtiger Hinweis: Multitasking stresst wirklich und das ist körperlich nachweisbar.